Dienstag, 14. Dezember 2010

Weihnachtsrundbrief 2010

Endlich Sommerferien!
Cocuy

Juni 
Der Dorfplatz von Cocuy. Kurz bevor Deutschland aus der WM ausscheidet,
beginnen wir mit dem Aufstieg. Meine vierte Tour in den Nationalpark. 
Das Milchauto bringt uns um 6 Uhr morgens die ersten 20 km den Berg hinauf. Leider haben wir wenig Glück mit dem Wetter. Es regnet zwei Tage, die wir essend und wartend im Zelt verbringen so unermüdlich, dass wir uns schweren Herzens entschließen umzukehren.

Wir schultern unsere Rucksäcke mit Essen und Kletterzeug, das für die Besteigung des "Castillo" eingeplant war und fassen um 11 Uhr den tollkühnen Entschluss uns zu Fuß auf den Weg ins knapp 30 km entfernte Cocuy zu machen. Völlig erschöpft erblicken wir um 19 Uhr die ersten Lichter des Dorfs.

Pazifikküste

Nun soll es ins Warme gehen! Von Buenaventura aus fahren wir, zusammen mit neun anderen Passagieren, jeder Menge Lebensmittel, die Teil eines Hilfsprogramms der Regierung sind, und ca.200 Küken auf einem kleinen Frachter die Pazifikküste entlang.

Das Boot lädt zwischendurch immer wieder Ware ab. Eine willkommen Verschnaufpause, denn der Motorgestank ist enorm.

Nach 28 Stunden erreichen wir das Dörfchen Nuqui. Dort werden unsere Mitreisenden, vor allem ein Mädchen mit ihrem Säugling und die Waren freudig in Empfang genommen.

 Unsere erste Nacht verbringen wir vor einem Militärstützpunkt. Nach einem gemeinsamen Frühstück bietet der Kommandant an, uns mit seinem Schnellboot in den Nationalpark Utria mitzunehmen.



Uns flattern die Ohren als der junge schwarze Steuermann das Boot aufs offene Meer zusteuert. In wenigen Minuten lassen wir Nuqui weit hinter uns. So schnell ist das Boot, dass wir einen Buckelwal mit Jungtier überfliegen!

Auch das Schnellboot legt, sehr zur Verärgerung des Steuermanns der die Ebbe fürchtet, zwischendurch an. Der Kommandant verteilt Bonbons, wir sind fasziniert von den Menschen, die so ganz anders leben als wir in Bogotá.

Im Nationalpark angekommen, treffen wir wieder auf Militär. Gesellschaft leistet den jungen Soldaten dieser Papagei. Die Landschaft ist bezaubernd, aber angesichts der Übernachtungspreise im Parkhotel mahnt unser Geldbeutel zum baldigen Aufbruch.


Nach abenteuerlichem Dschungelmarsch auf einem Schlammpfad erreichen wir am nächsten Tag die Schildkrötenstation. Sie liegt nahe dem Dorf "El Valle" an einem malerischen dunkelbraunen Strand über den außer tausenden von roten Krebsen kaum jemand huscht.
Hier verbringen wir bei Jose und seiner Frau, die nachts ausziehen um Schildkrötengelege -die hier gegessen werden- zu suchen und in Sicherheit zu bringen, eine herrliche Ferienwoche.
Wenn Joses kleine Neffen hier am Strand am Vormittag Glück beim Angeln hatten werden wir mit Fisch verköstigt. Dazu gibt es Reis und Kochbananen direkt von Baum.


 Jayder, der jüngste Sohn unserer Gastfamilie, freut sich sehr über unsere Gesellschaft und gewinnt gegen Jaime haushoch im Murmelspiel. Er bringt uns bei wie wir die noch grünen Kokosnüsse öffnen und deren leckeren Saft trinken können, wir lassen ihn in unserem Zelt spielen. Er schlüpft mit sandigen Füßen hinein, macht dem Reißverschluss zu, hüpft ein bisschen herum, Reißverschluss auf, zu, auf zu...




Fast alle Familien in "El Valle" leben vom Fischfang und dem was rund das Dorf wächst. Reis, Kochbananen und Kokosnüsse.
An der Pazifikküste leben, anders als im übrigen Kolumbien, sehr viele Schwarze (90%). Sie sind die Nachfahren von Sklaven und leben in "EL Valle" in Holzfahlbauten Tür an Tür mit Familien der indianischen Urbevölkerung. Die Lebenserwartung ist in der Pazifikregion geringer, die Geburtenrate deutlich höher als im Rest des Landes.



Erstaunt stellten wir fest, dass die indianischen Kinder nie mit den schwarzen Kinder spielen. Sie sind, wie dieses Mädchen, stets ernste, wachsame Beobachter des Geschehens. Wir erfuhren nicht in welcher Beziehung die beiden Bevölkerungsgruppen zueinander stehen oder ob sie wirklich so wenig Kontakt zueinander haben wie es den Anschein machte.




Aufgebrochen waren wir mit unterschiedlichen Bildern, welche wir mit diesem, von Touristen wenig bereisten Gebiet verbanden, den Informationen meines dt. Reiseführers und einer guten Portion Optimismus. Jaime hat seine Kindheit auf verschiedenen Höfen, die zum Teil in von der FARC, zum Teil in vom Paramilitär gesetzten Gebieten lagen, verbracht. Wir wussten, dass es im ganz in der Nähe gelegenen Chocó immer noch sehr gefährlich ist. Während der zwei Tage in Buenaventura, in denen wir vergeblich auf ein Schiff warteten und der sinnflutartige Regen nicht aufzuhören schien, waren wir nahe daran umzukehren. Zum Glück kam dann doch noch dieser Frachter. Und hatten wir erst geglaubt die Menschen würden sich uns in der Absicht nähern, uns hinter der nächsten Hausecke ein Messer an den Hals zu halten, begriffen wir nach und nach dass sie dies aus Interesse und Hilfsbereitschaft taten.



Die Schönheit der Natur, fernab der Zivilisation und die Offenheit und Lebensfreude der Menschen, welchen wir auf unsere Reise begegneten beeindruckten mich tief.
 
Boulderwettkampf in Ibague
September
Silvio, Nicolas, Jorge und Carolina
Der war ja nicht so schwer;)
Die bogotaner Klettertruppe

Experimente mit Matias Vater, dem Physiker
Oktober


Laternenfest
November


Biopark "La Reserva"

Das Konzept, den Besuchern die verschiedenen Ökosysteme des Landes in einem Park entdecken zu lassen überzeugt uns.  Ich bin begeistert mir welch einfachen Mitteln am Rand von Bogotá dieser bemerkenswerte Garten geschaffen wurde.




Adventszeit, Regenzeit
Dezember
Der Regen scheint an manchen Tagen kein Ende nehmen zu wollen.


Meine neuen, kleinen Zwerge vergnügt mit ihren Knusperhäuschen.

Schon in wenigen Tagen werde ich mich aufmachen nach Deutschland. Sind die Kinder endlich in die Ferien entlassen freue ich mich auf Schnee, Plätzchen, Glühwein und Abende bei Kerzenschein. Habt eine schöne letzte Adventswoche und behagliche Feiertage,

eure Judith
Ein alter Mann mit weißem Haar,
verbringt Advent auch dieses Jahr
voll Hoffnung auf die Weihnachtszeit
und seine Kinder, die sooo weit.
In seiner stillen, alten Klause
hofft er auf Trubel dann im Hause.
Er hofft auf Enkel, Tochter, Sohn,
die nun seit vielen Jahren schon
nur selten auf Besuch erscheinen,
um die Familie zu vereinen.
Er hofft auf frohes Kinderlachen,
will selber ihnen Freude machen,
er hofft auf eine Weihnachtstanne,
auf Lichterglanz und Teepunschkanne.

Da kommt ein Brief: "Wir kommen nicht!
Die weite Fahrt -- aus unsrer Sicht --
die lohnt sich nicht.
Doch wünschen wir Dir alles Gute.
Das Hänschen kriegt diesmal die Rute,
weil es so oft die Ruhe stört
und nicht auf unsre Worte hört."
Am Heiligabend, so um zwei,
sagt Hans bei Tisch ganz nebenbei:
"Was mag denn wohl der Opa machen?
Der hat doch sicher nichts zum Lachen!
Der wird heut' Abend einsam sein....
Seid Ihr im Alter auch allein?"
Der Vater sieht die Mutter an.
Die nickt ihm zu, steht auf ....und dann...
sagt Vater zu dem kleinen Hans:
"Den Stollen und die Weihnachtsgans
gibt's diesmal, wo der Opa wohnt....
ich meine, daß die Fahrt doch lohnt."
Der alte Mann mit weißem Haar
hört's draußen klopfen: "Ist das wahr?!
Kann ich mich heute doch noch freu'n
und brauche nicht allein zu sein?"
Der Weihnachtsbaum ist schnell geschmückt
und drunter, aus der Krippe, blickt
am Abend froh das Christuskind:
Es sieht, daß alle glücklich sind
von Arnold Kirchner



Sonntag, 13. Juni 2010

4. Rundbrief aus Kolumbien

April 2010

Anfang April kamen meine Eltern mit Samba, lecker stinkendem Käse und anderen lange entbehrten Köstlichkeiten im Gepäck, für drei Wochen zu Besuch. Wir nutzten meine Osterferien an der Deutschen Schule für eine abwechslungsreiche Rundreise durch Kolumbien.

Unser erstes Reiseziel war die Kaffeezone. Dort wird etwa 10 % des weltweit konsumierten Kaffees angebaut.

Danach ging es weiter nach Medellin. Das ist die Geburtsstadt von Fernando Botero, einem hier bekannten Künstler, der eine Vorliebe für dicke Figuren hat.


Obstverkäuferin in Cartagena, einer wunderschönen Kolonialstadt an der Karibikküste.

Bootsfahrt von Cartagena zu unserem von Kokospalmen umstandenen Hotel auf der Isla Tierra Bomba.

Der Tairona Nationalpark. Hier verbrachten wir unsere letzte Ferienwoche. Die dicht bewachsenen Berge reichen bis ans Meer, welches sich wild an den Stränden bricht. Ein wunderschöne Landschaft! Vormittags stapften wir durch den Urwald, nachmittags erfrischten wir uns im Meer.

Kogi- Familie, die Ureinwohner der Sierra Nevada de Santa Marta, auf dem Weg nach Hause.

Neugieriger Titi- Affe

Von den Löchern dieser z.T. handgroßen Gesellen war des Boden so unterhöhlt, dass sie immer abtauchen konnten, bevor wir sie aus der Nähe betrachten konnten. Dieser Krebs verpasste den Augenblick in sein Loch zu verschwinden allerdings.

Das Öffnen der Kokosnüsse ist Übungssache. Man braucht etwas Geduld bis man die eigentliche Nuss mit der harten Schale, wie wir sie kennen, aus der zähen Fasernhülle die sie umgibt geschält hat. Aber allein die Gewissheit für den Notfall gerüstet zu sein, stimmte mich fröhlich. Für den Fall, dass es knapp werden würden, hatte ich also immer eine Nuss unterm Arm.

Mai 2010

Wettkampf in Pran Pared. Diese Kugel hatte ich immer gemieden und jetzt lief die erste Wettkampfroute ausgerechnet über sie hinweg.


Carolina und ich bei der Siegerehrung.


Zu Besuch auf der Finca von Jaimes Eltern leistete "Reina" mir Gesellschaft. Zum Glück machte sie ihrem Namen wenig Ehre, sodass es mit ihr nie langweilig wurde. Am liebsten klaute sie Essen von unseren Tellern und zwickte einen, wenn man vergaß ihr die gemessene Aufmerksamkeit zu schenkte, ins Ohr.


Zwar verbringe ich inzwischen nicht mehr jedes Wochenende in Suesca, genieße es dennoch immer sehr der Großstadt zu entfliehen und mir hier die Sonne auf den Rücken scheinen zu lassen. Eine Route ganz nach meinem Geschmack: große Felsplatte, kleine Struktur, noch ;) ohne Überhang.


Juni 2010


Jan und Matthias im Fußballfieber: "Judith du bist auch für Deutschland!"




Im Haus standen tagelang halbvolle Kartons herum. Wegen der Präsitdentschaftswahlen traten Sondergesetze in Kraft. So war es verboten Alkohol zu verkaufen, in der Öffentlichkeit zu konsumieren oder- man höre und staune- umzuziehen. Schließlich war es dann aber soweit, künftig könnt ihr mich in:


Carrera 74A No.168A 85

Apt.401 Int.2 Conjunto Delmonte

Bogotá, Columbia, Sur- America

besuchen.

Wem das zu weit ist, der kann am 7. August zu meinem Gartenfestchen nach Stuttgart kommen. Ich bin vom 28. Juli bis zum 26. August in Deutschland und freue mich riesig möglichs viele von euch zu sehen!


Eure Judith

Samstag, 6. März 2010

3. Rundbrief, März 2010


Ein Jahr Kolumbien

Inzwischen ist dieses Gruppenfoto von den "Zwergen" nicht mehr ganz aktuell. Hinzugekommen sind nach den Winterferien Sophie aus Berlin und Caroline aus Rio de Janeiro. Damit besteht meine Pre- Kindergartengruppe nun aus 16 Kindern zwischen vier und fünf Jahren die auf Spanisch und zunehmend auch auf Deutsch reden, spielen, streiten und die Welt erforschen.

Herbstferien, Oktober 09

Die eindrucksvolle, unberührte Landschaft im Cocuy lässt mich nicht mehr los. Gemeinsam mit Victor und Pedro, einem seiner Kunden, machte ich mich erneut auf Richtung Nationalpark.


Vereisten Südspitze des San Pablines (5180m)


Wieder auf Höhe unseres Lagers wo es zumindest Tags, wenn die Sonne wärmend scheint, wieder etwas fließendes Wasser und ein paar Pflanzen gibt.


10. Oktober, Nordseite des San Pablines mit Victor und Pedro



Judith mit Sack und Pack.




Halloween im Parque de la 93 in Bogotá




Monster im Mc Donalds



Flirtender Engel


Power Ranger und seine Freunde, Kindergeburtstag im Colegio Andino. Selbstgebackene Kuchen von Muttern, das war einmal...


St. Martin und Adventszeit



Auszug zum Laternenumzug. Statt wie in Deutschland "durch die Strassen auf und nieder" leuchten unsere Laternen aber nur im Schulhaus. Aus Sicherheitsgründen (oder Gewohnheit?)wird drinnen spaziert, was für alle Kinder aber dennoch ein Ereignis war.




Bogotá strahlt zwei Monate lang: Adventszeit.



In der Vorweihnachtszeit lese ich den Kindern „Tomte Tummetott“ von Astrid Lindgren vor. Wisst ihr was ein Stall ist, frage ich. Diego: "Der Stall ist das Christkindhaus."



Zum Lichtfest am 7. Dezember zündeten die Kolumbianer in Pärken, vor Haustüren und Fenstern Millionen von Kerzen an.



Teeverkäufer im Parque National. Um die Kerzen herum saßen Familien mit Tee, Hund und Zuckerwatte. Auch im Colegio Andino war´s festlich geschmückt. Mitte Dezember wurde der Baum, zur Verwunderung der Deutschen, allerdings schon wieder abgebaut. Am letzten Schultag vor den Weihnachtsferien, wurde auf dem Sportplatz gegrillt. Es war so heiß, dass alle versuchten die Schattenplätze unter den Pavillons zu ergattern um keinen Sonnenstich zu bekommen.

Weihnachten in Cocuy


Laguna de la Plaza
Die Weihnachtsfeiertage verbrachte ich mit zwei Kollegen aus der Oberstufe und einem Kletterfreund wieder in den Bergen.


Aufstieg Pan de Azúcar (5100m)


Frühstück mit Seeblick in gelb- blau- rot
(den Farben der kolumbianischen Fahne;) .


Heiligabend, Besuch von Weihnachtsmann, Engel und Rentieren


Peru
Gemeinsam mit meiner Kollegin und Mitbewohnerin Helga reiste ich in den Weihnachtsferien durch Peru und für einige Tage nach La Paz.




Schwätzchen in einer Markthalle in Cusco.


Imbiss an der Straße.


Ein Hirte auf der Isla del Sol, Titicacasee.

Mädchen auf dem Weg zur Weide.

Idyllisches kleines Restaurant mit Blick auf die untergehende Sonne.

La Paz, Bolivien


Warnung in einen Viertel von La Paz, wer hier klaut um den kümmern wir uns selbst!



Abenteuerpark in La Paz


Silvester 09/10
Was das neue Jahr wohl bringen mag?



Letzter Tag unserer Reise. Helga und ich im Springbrunnen- Park, Lima.

Februar, Boulderwettkampf

In "Gran Pared" der Kletterhalle hier in Bogotá
nehme ich an meinen ersten Boulderwettkampf (klettern ohne Seil in Absprunghöhe) teil.


Inspizieren der Wettkampfrouten
Finale, jetzt wird es ernst!


Frühling im Colegio Andino

Wir haben im Kindergarten Sonnenblumen, Kapuzinerkresse und Bohnen gesät.

"Schnell wir müssen nach den Samen schauen", drängen die Kinder mich einen Tag nach dem wir gesät haben. "Unser Haus hat jetzt einen Garten."

Bohnen wachsen rasch, erzähle ich den Kindern
"Bald kann es sein, dass sie größer sind als ihr."

"Aber wenn wir sechs sind, dann sind wir größer!", lachen sie.